Buchstaben in einem Schreibheft

Handschrift nach Maß?

Hände hoch – so heißt das Motto des diesjährigen ergotags, des 4. seiner Art, der am 2. Oktober in Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart stattfindet. Ausgerichtet wird er vom Thieme-Verlag mit Unterstützung des DVE und er richtet sich vornehmlich an in der Pädiatrie tätige Ergotherapeuten. Abonennten der Zeitschriften ergopraxis und ergoscience, DVE-Mitglieder sowie Schüler und Studenten können zum Vorzugspreis teilnehmen. Weiterführende Informationen zu organisatorischen Fragen und zur Anreise kann man hier bekommen.

Hände hoch – das klingt spannend. Und das Programm scheint es ebenso zu sein. Es dreht sich diesmal alles um die Themen Grafomotorik und Händigkeit. In Praxen tätige Ergos werden, so schätze ich mal, tagtäglich mit diesem Themenfeld konfrontiert. Grafomotorische Auffälligkeiten sind häufig ein Verordnungsgrund für die Ergotherapie, können sie doch auf basalere Störungen hinweisen und sorgen sie oft für Schwierigkeiten in der Schule. Ebenso stellen sich bei Kindern Fragen nach der Seitendominanz und Händigkeit. Manchmal hängen beide Fragestellungen direkt zusammen. Nah beieinander liegen sie allemal.

Ein Blick auf die Referentenliste und das Programm verspricht spannende Vorträge und neue Erkenntnisse. Das wird mit 8 Fortbildungspunkten belohnt.

Die Hand-Gehirn-Interaktion und ihre neuroanatomischen und psychologischen Aspekte werden ebenso vorgestellt, wie die Hintergründe zur Händigkeitsentwicklung und die Möglichkeiten einer Linkshandberatung. Ein diagnostisches Verfahren zu einem betätigungsorientierten Befunderhebungsprozess, dem Mc Master Handwriting Protocol findet ebenso seinen Platz wie die Vorstellung von therapeutischen Ansätzen, so z.B. die Therapie nach dem CO-OP-Ansatz und die Biofeedback-Therapie. Nicht zuletzt kann man durch reges Feedback an die Veranstalter Einfluss auf den nächsten ergotag nehmen.

Wer geht hin …

… und mag einen kleinen Artikel darüber schreiben? Hände hoch! Über einen Gastbeitrag zum ergotag würde ich mich sehr freuen. Melden Sie sich einfach bei mir unter der E-Mail-Adresse hallo@ergo-scriptum.de. Es winkt zwar kein Honorar, aber Ruhm und Ehre und natürlich die Möglichkeit, sich selbst und, so es sie gibt, die eigene Praxis hier im Blog vorzustellen.

Hier finden Sie einen sehr interessante Einschätzung über den Pflege-TÜV von der Bundestagsabgeordneten Elisabeth Scharfenberg. Die Sprecherin für Alten- und Pflegepolitik der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen wirft dem Benotungssystem vor, Pflegemängel zu verschleiern.

Dieses hatte es zuletzt sogar vor ein Gericht geschafft, wie ich hier bereits schrieb.

1.09.2010

Klagen gegen Kitas

report Mainz hat Montag Abend in seiner Sendung über die Klagewelle gegen deutsche Kindertagesstätten berichtet. Hier schrieb ich vor Kurzem auch etwas zu diesem Thema. Im Kern geht es darum, dass einige Klagen anhängig sind von Anwohnern, denen Kinder in der Kita nebenan zu viel Lärm machen.

Was ich nicht wusste ist, dass es tatsächlich Anwälte gibt, die sich auf  Klagen gegen Kindergärten spezialisiert haben. Ich hab was gegen den moralischen Zeigefinger, aber hier juckt es mich doch, den nach oben zu strecken. Deshalb meine Frage: Ist das eigentlich anständig? Wahrscheinlich spielt diese Frage in unserem Rechtssystem keine Rolle. Des Juristendeutschs nicht mächtig, würde ich deshalb einfach mal platt sagen: Anstand hört da auf, wo es um die Wahrung bzw. Mehrung des Besitzstandes geht. Das kann man im Film schön sehen: Ein plakatives Beispiel aus einem Villenviertel von Hamburg, in dem die Anwohner eine Wertminderung Ihrer Häuser befürchten, wenn nebenan die Kinder spielen, toben, lärmen und schreien.

Gibt es eigentlich auch Anwälte, die sich auf die Belange von Familien und Kinder spezialisiert haben und der Gegenseite ordentlich einheizen?

Nun hat man sich so angestrengt, Transparenz ins System zu bringen – und dann sowas:

Die Beurteilungskriterien in sogenannten Transparenzberichten seien “nicht geeignet, die von den Pflegeheimen erbrachten Leistungen und deren Qualität sachgerecht zu beurteilen”, erläuterte ein Sprecher des Sozialgerichts Münster die Entscheidung.

Und damit geht das ganze Hickhack demnächst vor das Bundessozialgericht. Dabei war der MDK doch sehr zufrieden mit dem Zeugnis für Pflegeheime. Allerdings überzeugt mich persönlich die Argumentationskette der Richter eher:

Das Gericht stützte sich in seinem Urteil unter anderem auf eine wissenschaftliche Studie vom Juli 2010. Diese hatte ergeben, dass nur zwei der 64 Einzelnoten den Maßstab der Ergebnisqualität beträfen. Das Gericht hält zudem die Systematik der Bewertung für misslungen.

Der ganze Artikel ist auf Zeit-Online nachzulesen. Danke für den Hinweis auf das Urteil und den Artikel sage ich an Ergo-in-Vivo.

Diese Frage stellt die Firma Lattoflex und ruft damit zum Betten-Check auf. Unterstützt wird die Umfrage von der Aktion gesunder Rücken, über die ich hier schon einmal berichtet habe. Auf der Homepgae der AGR kann man mehr zur Aktion erfahren.

Mitmachen lohnt sich, denn alle Teilnehmer erhalten eine Gratisanalyse darüber, ob das Innenleben ihres Bettes noch in Ordnung ist. Das ist sicher besser als abzuwarten bis die ersten Rückenschmerzen auftreten. Bis zum 15.09. kann man teilnehmen.

Vielleicht ist das für den ein oder anderen Rückenschmerz-Patienten eine gute Gelegenheit, die Problemzone Bett anzugehen. Wie viel ein gutes Bettsystem (eine gute Matratze allein reicht nicht aus) ausmacht, habe ich selbst schon erfahren. Leider ohne Gratisanalyse. Vielleicht erzählt hier mal jemand anschließend über seine Erfahrungen mit dem Check? Würde mich freuen.

Der BED, Berufsverband der Ergotherapeuten in Deutschland, vergibt ein Stipendium für eine Weiterbildung zum Handtherapeuten. Wer Interesse daran hat, kann sich noch bis zum 15. Oktober bewerben. Um teilzunehmen, sollten Sie einfach schriftlich begründen, warum die Weiterbildung eine große Bedeutung für Sie hat.

Der Kurs besteht aus 14 Modulen und einer Prüfung. Kursort ist Bad Münder. Ausgerichtet wird er von der Akademie für Handtherapie.

Der Deutsche Verband der Ergotherapeuten stellt seit Kurzem einen neuen Service zur Verfügung, der Ergotherapeutinnen helfen soll, beweisbasiert zu arbeiten. Dieser Service ist nur für Mitglieder des DVE nutzbar.

Es handelt sich um die sogenannte EBP-Datenbank – Datenbank für die evidenzbasierte Praxis von Ergotherapeuten. Darin sind zurzeit mehr als 1200 Zusammenfassungen von Studien zu finden, die für Ergotherapeutinnen relevant sind. Einbezogen werden alle Studien, auch internationale, die Zusammenfassung sind jedoch auf deutsch. Jeder Eintrag enthält eine Bewertung sowohl durch den DVE anhand eines +/- -Systems als auch durch die etablierten Bewertungssysteme PRISMA bzw. PEDro. Jede Arbeit wird klassifiziert, so ist sofort ersichtlich, um welche Art von Studie es sich handelt. Eine Auswahl von der Studie zugrundeliegender Literatur wird außerdem genannt.

Angeschlossen ist ein ausführliches Glossar, das bei der Nutzung der Datenbank selbst hilft, aber auch bei der Bewertung der Studien selbst.

Die EBP-Datenbank erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, wird jedoch laufend erweitert. Sie bietet einen guten Einstieg bei der Suche nach relevanten Studien und gibt Hilfestellung für deren Beschaffung. Die Suchmaske ist sehr variabel nutzbar und gibt weitreichende Suchhilfen vor.

Nach dem ersten Test bin ich ganz angetan von diesem Service und gespannt, was Sie dazu sagen.

Ich bin nicht allein. Das ist schön. Und gut!

handlungs:plan

Seit Kurzem hat die Therapeuten-Blogosphäre ergotherapeutischen Zuwachs: den handlungs:plan. Da treibe ich mich jetzt öfter herum und lese und stöbere. Und das kann schon mal etwas dauern. Denn es gibt drüben bei den handlungs:planern jede Menge interessante Artikel, Podcasts und Downloads.

Zum Konzept des Blogs gehört es, dass es von vielen Autoren und Autorinnen bestückt wird. Wenn ich es richtig sehe, sucht das Macher-Team weiterhin nach Ergos, die regelmäßig oder einmalig Artikel einstellen möchten. Wer also Zeit und Lust hat, sollte sich das einmal überlegen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass sich die Überwindung zum Publizieren lohnt. Das anfängliche Lampenfieber wird bald vom Spaß am Schreiben relativiert. Außerdem kann man sein Wissen mit anderen teilen. Das ist das Schöne am Internet: andere profitieren kostenlos, genauso wie man selbst zuvor.

Toll am handlungs:plan finde ich auch den Download-Bereich. Von Anleitungen zum Herstellen von Rollstuhl-Handschuhen bis zu Fallbeispielen aus verschiedenen Fachbereichen kann man hier einiges Nützliche finden. Und das wird sicher bald noch viel mehr werden.

Im Moment erscheinen täglich Berichte über ein Praktikum in Schweden, in denen man viel über das schwedische Gesundheitssystem und die schwedische Ergotherapie lernt, schwedische Patienten inbegriffen. Sehr spannend, nicht nur für Ergos, die mit dem Gedanken spielen, nach Schweden auszuwandern.

Ergotipps

Durch die Kollegen von handlungs:plan bin ich auf einen ganz praktisch ausgerichteten Ergo-Blog gestoßen, dessen Name Programm ist: Ergotipps stellt konkrete Therapie-Ideen vor und bietet neue Gedanken auch über etwas abseitige Themen der Ergotherapie.

Ergo In-Vivo

Hier sammelt Renate Dachauer politische Meldungen, die die Gesellschaft prägen und damit auch die Bedingungen, unter denen Ergotherapeuten arbeiten. Viele Artikel beschäftigen sich mit dem bedingungslosen Grundeinkommen, aber es sind auch immer wieder interessante Artikel zu gesundheitspolitischen Themen mit von der Partie.

Blogs zum Gesundheitssystem

Da will ich mal drei hervorheben, die ich regelmäßig verfolge und die noch keinen Einzug  in meine Blogroll  gehalten haben.

In der Bedarfshaltestelle wird kritisch kommentiert, was das Gesundheitssystem so hervorbringt. Oft sehr humorvoll und stets unerbittlich.

Die Stationäre Aufnahme ist ein Watchblog. Hier wird alles durchgeschleust, was nicht ganz koscher ist. Und davon gibt’s eine ganze Menge, man sollte es nicht meinen. Ich bin tief beeindruckt von der Aufklärungsfähigkeit der Macher, die, wenn auch anonym, sowohl uns Leser als auch die, die sie kritisch beobachten, nicht aus der Verantwortung entlassen.

In kuhrtgesagt schreibt eine Journalistin über den großen Patienten Gesundheitssystem. Hintergründig und mit Wortwitz erfährt man eine ganze Menge Kurioses über die Fädenzieher hinter und vor den Kulissen. Lesenswert.

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